Montag, 30. November 2009

Advent Advent

Letzte Woche war ich ein sehr beschaeftigter Mann mit meinem handelsproposal. Hat mich direkt von Montag bis Donnerstag beschaeftigt und ist immernoch nicht zu 100% fertig. Ich weiss auch gar nicht, ob ich auf dem richtigen Weg bin und kann auch gar nicht nachfragen, weil unser Projektmanager fuer Handelsangelegenheiten in genf ist, um die malawische Zivilgesellschaft zu vertreten.Da hat man sich dann doch mal ein gutes Wochenende verdient.Und wie es der Zufall so will, war die WM-Trophaee an diesem Wochenende in Lilongwe. In Zusammenarbeit von FIFA und Coca Cola macht die Original Trophaee naemlich eine Reise durch alle Laender Afrikas (wobei ich grade nicht weiss, ob auch durch Zimbabe und Somalia). Und dieses Wochenende war Malawi dran. Freitagabend hat der Praesident (der einzige Mensch im Land, der die Trophaee beruehren darf) sie am Flughafen empfangen und Samstag war sie dann fuer die Oeffentlichkeit sichtbar. Gluecklicherweise hab ich rechtzeitig erfahren, dass man fuer die WM-Angelegenheit ein Ticket braucht, ich bin also freitags in Capital Hotel (dem Veranstaltungsort und Malawis einzigstem 5Sterne Hotel) und wollt mir ein Ticket besorgen. Doch die Ticket wurden nicht verkauft, weil man eins gewinnen musste. Coca Cola wollte es. Ich hab mit einigen wichtigen Leuten, u.a. der Koordinatorin fuer die Tickets gesprochen und meine besten Bestechungstricks hervorgekramt, aber Bestechung laeuft halt nur mit Geld und nicht mit nem freundlichen Laecheln und nem halb-aufgeknoepften Hemd. Hinterher hab ich mich etwas geaergert, haette ich mich etwas klueger angestellt und denen eine abstruse Geschichte aufgetischt, haett ich sicherlich ein Ticket bekommen. Aber das sind Kleinigkeiten durch die ich mich nicht aufhalten lasse. Ich bin samstag wieder hin, immernoch ohne Ticket, und bin ganz selbstbewusst an Polizei und Armeekontrollen vorbei (ohne selbst kontrolliert zuwerden, vorbei an den Einlasskontrollen (wieder ohne Kontrolle) und war drin. Ein freundlicher Hotelmitarbeiter hat mich gefragt, ob ich denn ein Ticket haette, ich meinte nein, er gab mir eins: ZACK, so einfach. Als Dank hab ich ihm meine gesammelten Werbegeschenke (Coca Cola Ball, Shirt, Cap, Beutel,...) gegeben. Spaeter hab ich bemerkt, dass ich mich die gesamte Zeit im VIP-Bereich aufgehalten habe, indem ich mit meinem geschenkten Ticket gar nicht haette sein duerfen, was aber niemanden interessiert hat. Und ich hab mich schon gewundert, warum es so gutes und kostenloses Essen gibt...Ich war dann einer der ersten, der das offizielle Festzelt mit 8minuetigem Kurzfilm in 3D und dem WM-Pokal betreten hat, zusammen mit dem Minister fuer Sport und Jugend und dem offiziellen Fifavertreter. Der Pokal wurde sehr gut bewacht, sodass ich ihn leider nicht heimlich unter meinem Shirt verschwinden lassen konnte, aber jeder durfte sich mit ihm fotografieren lassen (eigene Fotos waren untersagt). Danach war ich gluecklich, satt und konnte mich endlich meinem eigentlichen Anliegen widmen, der Musik. Auf einer kleinen Buehne haben lokale Groessen wie Mafunyeta (der junge ist genial, Dancehall aus Malawi, great), oder Tay Grin (Malawi's internationaler HipHopStar, der vor kurzem einen Suedafrikanischen Award gewonnen hat) gesungen und auch der Somalische rapper, der seit Ewigkeiten in den USA lebt, komplett grossartige Show, wenn auch grade bei ihm die Begelitmusik ausgefallen ist. Aber T.i.A. , wie er so schoen singt.This is Africa. Doch die groesste Stimmung gab es bei den Black Missionaries, Malawis Reggaegruppe Nummer eins. Ich kenne niemanden der die Blacks nicht mag, egal aus welcher gesellschaftsschicht, das sind die Superstars hier und sehr nette Persoenlichkeiten. Wenn ich die gesamte Stimmung des tages betrachte glaube ich, dass die WM grossartig werden kann.Es wurde getanzt, gesungen, gefeiert, ausser in dem momenten in denen CocaCola Werbegeschenke verteilt hat. Fuer ein kostenloses Shirt oder Cap wurde alles stehen und liegen gelassen und die Polizei musste des oefteren eingreifen. Ach, Und ich kann die Fussballer verstehen, die sich ueber die Vuvuzelas aufregen, die Dinger sind wirklich extrem laut, aber T.i.A..

Am sonntag habe ich mich dann dem Auftrag gewidmet, den mir meine herzallerliebsten Freunde gegeben haben. Meine herzallerliebsten Freunde haben naemlich ein neues Lieblingsspiel, was ich selbst noch nicht ganz verstanden habe. Es geht wohl darum ueberall auf der Welt kleine Boxen (Caches) zu verstecken und zu suchen. Einer dieser Caches soll also in der naehe von Lilongwe sein. Normalerweise ist dieses Spiel wohl fuer ne komplette Pfadfinderausruestung gedacht inklusive GPS-Geraet. Ich hatte eine beinahe nichtssagende Karte, ein komplett nichtssagendes Satellitenbild und eine wunderbare Beschreibung.
Die Beschreibung besagte also, dass "der Cache in einem Waldgebiet in einem Baumstamm an der Stadtgrenze von Lilongwe versteckt sei. Der Baumstamm sei vom Waldpfad nicht sichtbar und der Cache mit trockenem Gras bedeckt, damit er nicht von vorbeikommenden Farmern mitgenommen wird. Das Waldgebiet erreicht man durch einen einfachen Spaziergang von Area 3 oder 9. PS: In der Regenzeit kann es schwierig werden."
Soweit so gut. Also:
1. Wir haben grade Regenzeit
2. Ganz Lilongwe sieht aus wie eine Stadtgrenze, da es so ausgedehnt ist. Viele sagen ja, dass es einfach aus mehreren einzelnen Doerfern besteht. Aber da ich mich ja hier mittlerweile etwas auskenne, wusste ich in etwa wo ich suchen sollte.
3. Von der Stelle, wo mich der Minibus rausgelassen hat, bis zu dem Waldgebiet war es ein Fussmarsch von einer Stunde durch Wohngebiete, ueber Felder und Stock und Stein. Es gibt keine einfachen Spaziergaenge in Malawi.
4. Das kleine Waldgebiet hat sich als ein Riesenwald herausgestellt.
5. Die Sonne knallte mit gefuehlten 35Grad auf mich herab.
6. Wer schon mal in einem Wald war, kann mir bestaetigen, dass es dort viele baumstaemme gibt.
Ich habe also 2 Stunden intensiv gesucht (wer mich kennt, weiss ja, was fuer ein begnadeter Sucher ich bin, Ostern war schon immer mein Lieblingsfest). Dann hab ich aufgegeben. Denn ohne GPS_geraet geht das wohl doch nicht, ausserdem waren meine Wasservorraete aufgebraucht, ausserdem zogen dunkle Regenwolken, ausserdem hatte ich etwas Angst vor wilden Tieren und Giftschlangen, ausserdem stand ich grade auf einem Ameisenhaufen, um einen Ueberblick zu erhalten und ein Heuballen ist an mir vorbeigerollt. Auf dem Rueckweg wollt ich besonders clever sein und eine Abkuerzung nehmen, doch die Strassen verlaufen nicht alle so, wie ich es gerne haette, so dass ich mich dann noch komplett verlaufen habe und etwas regen abbekommen hab. Zurueck zu Hause habe ich dann eine brennende kerze im Adventskraz erwartet, doch sowas ist hier nicht ueblich und meine Erklaerung,was das denn sei wurde mit viel Gelaechter aufgenommen. Ich konnte leider nicht erklaeren, woher der Brauch denn kommt. Bisher hab ich mir diese Frage noch nie gestellt, denn er war ja immer da. Manchmal fallen die Dinge erst auf, wenn sie nicht da sind. Wer mir eine Antwort geben kann, dem bin ich sehr dankbar.
Trotz meines misglueckten Pfadfinderausfluges war es doch ein sehr gelungenes Wochenende.

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